PR-Enthusiast Harald Ille

Überzeugen, nicht überreden

Kategorie: Konventionen

Journalistische Konventionen

Manche Dinge erklären sich nicht unbedingt durch Nachdenken – sie sind einfach gesetzt. Etwa die Vorgabe, wie Personen, Zahlen oder Maßeinheiten geschrieben werden. Diese journalistische Konvention schert sich weder um technische Schreibweisen noch um Höflichkeit, sondern ordnet diese Aspekte humorlos der Lesbarkeit und Verständlichkeit unter.

Name, Alter, Funktion

“Vergessen Sie nie, daß für jeden Menschen sein Name das schönste und wichtigste Wort ist.” (Dale Carnegie)
Daher zwei Grundregeln:

  • NIEMALS Namen falsch schreiben!
  • NO JOKES with names!

Personen/Menschen/Leute haben immer einen Vor- und einen Zunamen. Ob sie Mann oder Frau sind, erschließt sich in aller Regel sofort aus dem Vornamen oder mittelbar aus dem Zusammenhang – daher gibt es kein „Herr“ und kein „Frau“ (Ausnahmen sind exotische und asiatische Namen).

Auch Doktoren- und Professorentitel sind zu vernachlässigen. In Universitätsstädten, wo die Akademikerdichte naturgemäß recht hoch ist und die Titel daher keine Alleinstellungsmerkmale sind, drucken Zeitungen aber häufiger diese akademischen Titel mit ab. Die Beschwerden Promovierter bei den Redaktionen scheinen in solchen Städten ebenfalls häufiger zu sein…

Titel sind nur im universitären oder medizinischen Zusammenhang wichtig: Dass der Vereinsvorstand in seinem Brotberuf Professor ist, tut in der Regel nichts zur Sache. Man sagt zum zweiten Vorsitzenden ja auch nicht “Herr Bäckermeister”. Eine Professorin, die für ihre Arbeit den Nobelpreis erhält oder einen Vortrag hält, gibt der Veranstaltung aber wissenschaftliche Weihen. Dann ist der Titel angebracht.

Wichtig ist natürlich die Funktion der Person: Warum habe ich gerade sie interviewt, warum ist das, was sie zu sagen hat, relevant? Allerdings ist es meist nebensächlich, wie alt eine Person ist – das interessiert nur die BILD.

Zahlen & Maßeinheiten

Zahlen und Maßeinheiten sollten am besten immer ausgeschrieben werden, weil man sich bei einem Wort weniger leicht “vertippt” als bei einer schnell hingeschriebenen Ziffer. Schnell wird aus einem “10 Uhr” in einer Einladung ein “19 Uhr” – und die Veranstaltung, die vormittags stattfindet, ist vorbei, wenn die Besucher kommen…

Daher: Zahlen von „eins“ bis „zwölf“ ausschreiben, ebenso zwanzig bis neunzig, hundert bis tausend, zehntausend, eine Million, eine Fantastilliarde. 

Das gilt besonders für Maßeinheiten. Quadratmeter statt m2, Mikrometer statt μm, Hektar, Hektoliter, Lichtjahr. Auch chemische Bezeichnungen “eindeutschen”, etwa Kohlendioxid, Ammoniak, Wasser statt H2O!

Man muss sich unter den Zahlen und Mengen etwas vorstellen können. Wer weiß schon genau zu sagen, wieviel Kannen Wasser man braucht, um zwei Kubikmeter zu füllen? Was bedeutet es, wenn ein Gebäude aus drei Millionen Kubikmetern Beton besteht – wieviel ist das? Vergleiche helfen da weiter: Die Baustelle ist so groß wie zwei Fußbvallfelder, die gespeicherten Daten passen auf soviele CDs, dass sie nebeneinandergelegt von Frankfurt bis München reichen würden, die Staatschulden würden in Eurostücken einen Zug füllen, der dreimal um die Erde reichen würde…

Meist sind sehr genaue Zahlen ohnehin nicht nötig, meist geht es um Größenordnungen: “Arbeitslosenzahl unter drei Millionen”, “Halbwertszeit bei 24.000 Jahren”, “Exporte knacken die Billionenmarke”.

Unschön sind Ziffern in Überschriften. Dort sollte man immer die Zahlen ausschreiben. Dezimalzahlen oder Brüche sind komplett verboten.

Typografie

Satzzeichen sind nicht beliebig, sondern unterliegen ebenfalls einer klaren Regelung.

  • Satzzeichen kommen immer direkt hinter den letzten Buchstaben! (und nicht so ! ). Klammern (übrigens) auch.
  • Mit Ausrufezeichen bitte sehr sparsam umgehen. NIEMALS mehr als eines!!!!
  • „Anführungszeichen“ sind keine “Hochkommata”. «Das sind französische», “das sind englische” und »das sind dänische Anführungszeichen«. Einen schönen Überblick über die verschiedenen Arten von Anführungszeichen in diversen Sprach- und Kulturkreisen gibt Wikipedia.
  • Einschübe öfter mal – mit Gedankenstrichen – absetzen.
  • Bindestriche und Minuszeichen – sind keine Gedankenstriche – sind keine Spiegelstriche —.

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén