Gegen den Strich denken – das ist meist ein Erfolgsrezept für eine gute PR-Aktion. Typische Reflexe einmal zu unterlaufen, das Unerwartete tun, Dinge einmal ganz neu zu betrachten: Dazu braucht es Mut, dazu braucht es Kreativität, dazu braucht es auch ein gerüttelt Maß an Unerschrockenheit. Kommt das zusammen, können wunderbare Aktionen entstehen wie etwa das großartige „Rechts gegen Rechts“ der Aussteigerorganisation Exit im fränkischen Wunsiedel.

Exit hat sich nämlich mit Neonazis angelegt; aber nicht, wie wohl der typische Reflex wäre, konfrontativ, sondern beinahe kollaborativ. Was genau passiert ist, erklärt das Video sehr anschaulich.

Die geniale Idee hier ist eine, die aus fernöstlichen Kampfsportarten abgeschaut sein könnte: Nutze die Kraft und Wucht und den Schwung Deines Gegners geschickt aus, um ihn zu besiegen. Und mache ihn damit lächerlich. Das Umwidmen dieser Neonazi-Demo in ein Projekt für den Ausstieg aus der Szene, an dem die Rechten ungewollt selber mitarbeiten – eine herrlich deeskalierend-gewaltfreie, ja karnevalesk ausstaffierte Idee in einem ursprünglich von Gewaltsymbolen nur so strotzenden Szenario des Trauermarsches.

Der Organisator Fabian Wichmann zieht im Interview mit dem Pressesprecher-Magazin (1/15, S. 33: „Ein bisschen wie Straßentheater“) ein Fazit, das wie ein Rezept für solche PR-Aktionen funktioniert:

[..] Hier spielte das subversiv-konfrontative Moment eine entscheidende Rolle. Das bedeutet, man erzeugt über ein „trojanisches Pferd“ Aufmerksamkeit, legt die eigentlichen Inhalte dahinter und bricht damit Erwartungshaltungen.