Jede Kampagne hat ein oder mehrere Ziele, klar – sonst würden wir sie ja nicht durchführen. Alles, was wir tun, hat immer mindestens ein Ziel. Daher ist die Definition des Ziels das Ziel aller Planungen. Am besten, man beginnt bei der Planung mit der Frage, welches Ziel man am Ende erreichen möchte. Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt das „Vom Ende her denken“.

Der Weg ist nicht das Ziel

Dabei gilt nicht: „Der Weg ist das Ziel!“. Die Funktionen sind sehr eindeutig getrennt: Der Weg ist der Weg, das Ziel ist das Ziel. Alles, was den Weg beschreibt, um das Ziel zu erreichen, ist Taktik, sind Maßnahmen, sind Prozesse. Der Weg kann mäandern, man kann einen Umweg nehmen, man kann unterschiedliche Wege wählen – aber das Ziel ist unverrückbar an einem definierten Ort und muss erreicht werden.

Hannibal entschied sich zuerst dafür, Rom zu erobern. Die Kampfstrategie war es, dies mit den nordafrikanischen Kampfelefanten zu bewerkstelligen. Allerdings waren diese zu schwer für die Schiffe, die ihn über das Mittelmeer bringen sollten. Also lautete die Taktik: mit den Elefanten die Alpen passieren. Erst Rom, dann Alpenpassage, dann Elefanten, erst Ziel, dann Strategie, dann Maßnahmen.

Klaus Dörrbecker [1]

Ziele und die Zieldefinitionen stehen also am Anfang eines Strategieprozesses. „Ziele sind niemals Vermutung oder Annahmen“.[2] Es geht auch nicht um den Umfang oder den Weg dahin, sondern um die Genauigkeit – Konjunktiv und sprachliche Verwässerung verwässern auch das Ziel. Müsste/sollte/könnte/vielleicht sind keine Begriffe, die in einer Zieldefinition vorkommen dürfen. „Es gibt Fallen“, schreiben Renée Hansen und Stephanie Bernoully, „in die man bei der Formulierung der Ziele tappen kann. Eine der Fallen ist die implizite Vorwegnahme der Positionierung und Strategie. Sie wird augenfällig, sobald sich Begriffe wie ‚durch‘ und ‚als‘ in die Darstellung mogeln.“

SMARTE Ziele

Wir müssen zu Beginn aller Planungen also unsere Ziele sehr klar definieren. Nur und erst, wenn wir genau wissen, wohin wir wollen, können wir unsere Reise planen. Dazu haben sich SMARTe Ziele im Projektmanagement bewährt:

Ziele sollten „smart“ definiert werden: sie sollen spezifisch sein, messbar, attraktiv, realistisch und terminierbar. Wenn sie das nicht sind, bleiben sie unklar und helfen der Planung nicht weiter.

Über das Ziel selbst machen die meisten Menschen sich zu wenig Gedanken, stattdessen wird sich auf verschiedene Wege und Möglichkeiten konzentriert, um dieses so schnell wie möglich zu erreichen. Doch wer die ersten Schritte plant oder sogar bereits geht, bevor er das Ziel kennt, fällt früher oder später über die eigenen Füße oder stellt fest, dass er die ganze Zeit in die vollkommen falsche Richtung gelaufen ist.

Nils Warkentin, karrierebibel.de

Das ist ja klar: Wer beim Fußball nicht weiß, wo das Tor steht, kann auch nicht treffen. Die SMART-Methode hilft uns, unsere Strategie zu entwerfen, weil sie fünf (in einer erweiterten Version sieben) eindeutige Kriterien für die Definition eines Zieles festlegt. Diese Kriterien helfen, uns präziser auf die richtigen Fragen und Aspekte zu konzentrieren. Wir können so einfacher den Fokus bewahren und unsere Ideen und Energien zielgerichtet einsetzen – also effizienter und effektiver planen.

Spezifisch

Das Ziel muss sehr konkret und detailliert formuliert sein, um auf den spezifischen Fall präzise zu passen. Statt: „Ich möchte ein Haus bauen“ eine spezifischeres Ziel wie: „Ich möchte ein Passivhaus mit 150 Quadratmetern und zwei Stockwerken in der Nähe der Offenbacher Stadtmitte bauen – mit S-Bahn-Anschluss und einem großen Supermarkt in der unmittelbaren Nähe, damit ich sie beide gut und schnell zu Fuß erreichen kann.“Messbar

Messbar

Schon beim Definieren des Ziels müssen wir uns überlegen, anhand welcher Ergebnisse oder Faktoren oder Kenngrößen (Key Performance Indicators, KPIs) wir die Zielerreichung messen: Wollen wir nur unspezifisch „abnehmen“, oder wollen wir ab 15. Juni pro Woche 500 Gramm abnehmen, bis wir am 15. August ein Zielgewicht von 60 Kilogramm erreicht haben.

Attraktiv

Das ist ein psychologischer Aspekt. Nach der ersten Euphorie und den ersten kleineren Erfolgserlebnissen es zwangsläufig zu Frust und Langeweile, Demotivation und Stillstand. Bei jedem größeren Projekt ist das so. Genau in diesen Phasen entscheidet sich, ob ein Projekt dennoch erfolgreich zu Ende geführt wird und seine Ziele erreicht, oder ob es versandet, liegen bleibt, vergessen wird. Daher müssen der Weg und das Ziel so attraktiv sein, dass wir alle Lust auf das Projekt haben – und die schwierigen Phasen durchstehen können. Ein Ziel, das nicht attraktiv ist, will niemand erreichen. Tipp von der Karrierebibel: „Ein Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn alle Beteiligten dahinterstehen, sich einbringen und tatsächlich auch Lust haben, das gesteckte Ziel in die Tat umzusetzen. Dies funktioniert durch eine positive Formulierung, die dazu anregt, loszulegen und aktiv zu werden.“

Realistisch

Wer sich zu großartige und ambitionierte Ziele setzt, wird scheitern. Weil diese utopischen Ziele nicht oder nur mit viel zu großen Anstrengungen erreichbar sind. Wir wollen unsere Ziele aber erreichen – lieber zwei kleine Ziele erreicht als ein großes nicht mal ansatzweise erspäht. Ziele müssen realistisch sein. Herausfordernd und sicherlich anstrengend, ja, aber auf jeden Fall machbar. Es ist ja kein sportlicher Wettbewerb, bei dem nur die Härtesten gewinnen – es ist im Gegenteil eine tägliche professionelle Aufgabe, die wir mit unseren Fähigkeiten konsequent und stringent abarbeiten können.

Terminiert

Gute und klare Planung hat einen realistischen, nicht zu engen Zeitplan. Man kann bei Verzögerungen oder Abweichungen immer reagieren und den Plan anpassen. Allerdings gibt es einige „Milestones“, die unverrückbar sind, sowie eine „Deadline“. Milestones und Deadline können nicht so einfach verschoben werden, ohne das Gesamtprojekt zu gefährden. Aber: Termine und Zeitpläne sind notwendig, vor allem dann, wenn mehrere Projektbeteiligte nacheinander oder miteinander an dem Projekt arbeiten.

Beispiele für SMARTe Ziele:

Schlecht formuliert Besser formuliert
Ich will weniger rauchen. Ab dem 1.6. rauche ich keine einzige Zigarette mehr – bis zum Rest meines Lebens.
Bessere NutzerfreundlichkeitDie Usability der Software wird von mindestens 90 % der Teilnehmer eines Usability-Tests mit „Sehr gut“ bewertet.
Einhaltung des KostenrahmensDas Projektbudget i.H.v. 100.000 Euro wird nicht überschritten.
Ich werde öfter mal Sport machenAb Dienstag gehe ich jeden Dienstag ab 17.30 Uhr ins Fitnessstudio um die Ecke und stelle mich für 30 Minuten auf den Cross-Trainer. Innerhalb von 4 Monaten steigere ich mich auf 60 Minuten.
Ich will ein Haus bauen.Bau eines Einfamilienhauses mit mind. 130 Quadratmetern am Stadtrand von Mainz mit einem Budget von 400.000 Euro bis zum 30.11.2017.
Hohe Teilnehmeranzahl bei der Weihnachtsfeier.Mindestens 95 % der Belegschaft nehmen an der Weihnachtsfeier am 12. Dezember statt. Um 22 Uhr sind noch immer mindestens 80 % der Mitarbeitenden anwesend.
Mehr Zeit mit der Familie verbringen.Ab dem 1. Mai arbeite ich nicht mehr an Wochenenden und nur an zweiWerktagen länger als 19 Uhr. Pro Monat finden mindestens zwei Ausflüge mit der gesamten Familie statt. An den Wochenenden frühstücken wir immer gemeinsam.

[1] In: Hansen/Bernoully, Konzeptionspraxis, S. 71.

[2] Hansen/Bernoully, Konzeptionspraxis, S. 73.


Harald Ille

Digital Enthusiast. Wordpress-Enthusiast. Und PR-Enthusiast. Aus Heidelberg.

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